Frankreich
- war es zuerst ein Zimmer in einer Wohnung mit geteilten Lebensräumen und handgemachtem Frühstück
- wandelte es sich zu isolierten Wohnungen, wo alles bereit war aber ohne Frühstück
- und neuerdings muss man die Betten selber anziehen und die Wohnung zumindest besenrein wieder übergeben - Abfall muss auch entsorgt werden...
Ebrodelta
Ein kurzer informativer Abstecher zurück ins Ebrodelta – eines der wichtigsten Reisanbaugebiete Spaniens.
Etwa 20–25 % des gesamten spanischen Reises stammen von hier. Die Region wird über ein ausgeklügeltes Netz aus Kanälen, Dämmen und Schleusen bewässert, das auf den ersten Blick eher an ein technisches System als an Landwirtschaft erinnert.
Die Ernte läuft gestaffelt: Einige Felder stehen noch unter Wasser, grün und dicht, während andere bereits trockenliegen, der Boden rissig, die Stoppeln kurz geschnitten. Auf den trockenen Flächen fahren Mähdrescher mit breiten Schwimmreifen, die Reispflanzen samt Ähren werden geschnitten und in Säcken oder Silos gesammelt.
Nach dem Schnitt wird der Reis auf grossen Asphaltflächen in der Sonne vorgetrocknet, bevor er in Trocknungsanlagen kommt – sonst würde er schnell schimmeln. Die Felder dienen ausserhalb der Anbausaison als Überwinterungsgebiete für tausende Zugvögel – insbesondere Flamingos, Enten und Reiher.
Sonnenblumenernte
Ein paar Stunden weiter, Richtung Aragonien und Kastilien, das völlige Gegenteil: Sonnenblumenfelder bis zum Horizont.
Doch statt Gelb – alles dunkelbraun bis schwarz. Die Pflanzen hängen schwer, die Blüten sind leer, ausgeblutet vom Sommer. Die Ernte war offenbar schon durch: nur noch trockene Stängel, dichte Reihen, die wie ein graues Meer wirken.
Sonnenblumen werden geerntet, sobald die Samenfeuchte unter etwa 12–14 % fällt. Dann fahren modifizierte Getreidemähdrescher, die die Köpfe abschneiden und die Kerne direkt aus den Blüten heraustrennen. Der Rest der Pflanze bleibt stehen und wird später wohl untergepflügt.
Spanien ist nach Frankreich der zweitgrösste Sonnenblumenölproduzent Europas. Der hohe Ölanteil (40–45 %) macht die Kerne ideal für Lebensmittelöl – und zunehmend auch für Biodieselproduktion.
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| Olivenbaum-Felder: weil wir sie so oft - flächendeckend, so weit das Auge sehen kann - gesehen haben, wollte wir euch auch nochmals den Genuss geben ;) |
Zahnarztbesuch
Ein technisches Problem ganz anderer Art: meine Zahnfüllung. Ich hatte absichtlich vor dem langen Urlaub einen Zahnarztbesuch geplant musste prompt wegen fortgeschrittener Karies nochmals antanzen - für eine Füllung. Dies ist nun über 3 Wochen alt, eigentlich harmlos. Nur, dass sich in der Füllung ein winziges Luftbläschen befand (das klitzekleine schwarze Pünktchen auf dem Röntgenbild).
Und wer täglich zwischen 200 m.ü.M. und 2'500 m.ü.M. unterwegs ist, merkt schnell, was Druckunterschiede bewirken. Bei abnehmendem Luftdruck dehnt sich die eingeschlossene Luft aus – und drückt auf den Zahn. Ergebnis: pochende Schmerzen, besonders oben auf den Pässen.
Ein kurzfristiger Zahnarztbesuch in Granada war unvermeidlich. Während Emanuel meine 900 GT mit neuer Kette und frisch ab Service abholte, fuhr ich mit seinem Monster aka 1200 Rally Pro zum Zahnarzt - und ja, solange das Motorrad fährt, ist es richtig lustig, danach nur schei*** schwer...
Die Kommunikation in der Praxis verlief mit Händen, Google Translate und viel Geduld. Die Füllung wurde ersetzt, das Problem theoretisch gelöst – praktisch bleibt beim Zubeissen der kurze helle Schmerz. Offenbar hat der Nerv noch Nachwehen von der Druckbelastung. Abwarten und Tee trinken heisst meine Devise.
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| El Albaicín - maurisches Viertel in Grenada |
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| El Albaicín - maurisches Viertel in Grenada |
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| Fantastischer Sonnenuntergang (Cogollas Vega) |
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| Regen macht nass, besonders nasser Regen |
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| Ich will auch was sehen! |
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| Das stört hier niemanden, dann geht man halt zum Wirt nebendran oder gegenüber (heute geschlossen, moregn nicht). Jeder entscheidet spontan und das wird auch respektiert. |
Sierra Nevada
Ca. 26 Stunden später die logische Fortsetzung: 2'500 m ü. M. auf der Sierra Nevada (die gibt es auch in Spanien und steht für "schneebedecktes Gebirge").
Der Zahnarzt hatte vor dem Fliegen gewarnt – aus gutem Grund. In einem Flugzeug herrscht ein Kabinendruck wie auf etwa 1'800–2'400 m Höhe.
Wenn also unter einer Füllung ein Rest Luft bleibt, dehnt sie sich bei diesem Druck aus und drückt gegen das Zahninnere – das ist derselbe Effekt wie in den Bergen, nur ohne Aussicht.
Oben auf der Sierra: klare Luft, schroffe Hänge, deutlich kältere Temperaturen. Zum Glück hat uns unterwegs keine Polizeidrohne erwischt (mit solchen machen sie in der Sierra Nevada unter anderem Radarkontrollen). Ein Spanier erklärte uns gegenüber später, dass wir uns nur an Wochentagen Sorgen zu machen brauchen, am Wochenende haben die meisten Polizisten frei.
Ich war kaum oben angekommen, merkte ich, dass der Ausflug zu keiner meiner ansonsten brillianten Ideen gehörte und fuhr langsam aber vorsichtig direkt wieder in tiefere Höhenmeter. Derweil hat Emanuel schöne Fotos oben gemacht und mich dann später wieder getroffen.
Graena
In der Alpujarra (südliche Hänge der Sierra Nevada) liegt Graena wo die berühmten Casas Cueva – Wohnhöhlen sind, die direkt in den weichen Kalkstein der Hänge gegraben wurden.
Die Räume wurden in die Tuff- und Lehmschichten der Sierra Nevada getrieben, oft mit einfachen Werkzeugen, teils über Generationen erweitert. Die Wände bestehen aus Kalk und Lehm, was erstaunlich stabil ist, solange es trocken bleibt.
Das Material wirkt unscheinbar, erfüllt aber eine geniale Funktion: es speichert Wärme im Winter und kühlt im Sommer. Innen herrschen konstant rund 18 °C, ganz ohne Heizung oder Klimaanlage – eine natürliche Temperaturregulierung, die perfekt ans Klima angepasst ist.
Einige der Höhlen sind heute modernisiert, verputzt und bewohnt – mit Strom und Wasser. Andere sind verlassen, halb eingestürzt, nur noch an kleinen Schornsteinen oder weissen Türrahmen in der Felswand zu erkennen.
Die Lüftung funktioniert über schmale Schächte, das Licht fällt meist nur von der Eingangsseite ein, wodurch sich die Räume tief, ruhig und erstaunlich wohnlich anfühlen, aber dunkel.
Eine Bauweise, die zeigt, wie präzise sich frühere Generationen an ihre Umgebung angepasst haben – Architektur im Gestein, ich finde das einfach clever.
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| Auch für Tierstallungen geeignet |
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| Ich bin zu gross für diese Höhlenbehausung |
Offroad
Abseits der Hauptstrasse kamen in den letzten Tagen dann immer mal wieder Offroad-Experimente mit unseren Motorrädern. Anfangs fester Boden, später Schotter, Rinnen, lockerer Sand. Die Routenplanung ist immer mal wieder für Überraschungen gut.
Das Motorrad lief sauber, aber das Vertrauen sank mit jedem Stein. Ich wollte umdrehen, Emanuel wäre gerne weitergefahren – einfach gerade aus der "Strasse" nach - hat er gesagt. Nach ein paar Metern Diskussion, Schweigen und bösen Blicken haben wir dann doch umgedreht.
Randnotiz von Emanuel: auch die normalen Strassen sind hier teils gefährlich, weil durch Staub, Gummi und fehlenden Regen äusserst rutschig 😱
Mar de Plástico
Dann haben wir eine Nacht im sogenannten Mar de Plástico – dem „Plastikmeer“ von Almería verbracht.
Von oben betrachtet wirkt es wie Schnee, tatsächlich sind es aber Gewächshäuser oder Parral (wie Gewächshäuser aber einfacher gebaut mit Wänden/Decken aus Plastikfolien und Vlies), so weit das Auge reicht. 32'000 Hektar Gemüse, Tomaten, Gurken, Paprika – alles unter weissen Planen, die das Sonnenlicht reflektieren, Wasser sparen und je nach Bauart auch von Schädlingen schützen.
Vor Ort ist das weniger idyllisch. Die Luft steht, es riecht nach Erde, Plastik und feuchtem Dünger. Zwischen den Feldern ziehen sich enge Wege, kaum Schatten, kaum Leben.
Wir haben dort übernachtet – „geht so“ beschreibt es ganz gut. Funktional, aber kein Ort, an dem man freiwillig bleibt. 30min zu Fuss und man ist am Touristrand - dort sieht es ganz anders aus und das Ganze wirkt ein wenig pervers...
Fakten am Rand:
Das Gebiet produziert einen grossen Teil des europäischen Wintergemüses/-früchte (3.5 Millionen Tonnen jährlich), liefert unter anderem an Supermärkte in der Schweiz, Deutschland und Frankreich. Die Folien werden alle 3-4 Jahre erneuert, der Plastikabfall ist ein Dauerthema.
Emanuels Vater war früher hier in seiner Funktion als kantonaler Zentralstellenleiter für Gemüsebau zu Besuch und hatte damals bereits festgestellt (was sich bis heute nicht geändert hat):
- die Spanier sind mit ihrer Tröpfchenbewässerung (ein Schlauch hat Löcher und führt immer genau soviel Wasser zu den Pflanzen wie diese brauchen) ein äusserst sparsames System entwickelt um eine wüstenähnliche Gegend zu dem zu machen was sie jetzt ist. Trotzdem reichte das Wasser nicht und heute wird zusätzlich Meerwasser entsalzt um den Wasserbedarf zu decken.
- Gewächshäuser haben Zutrittsschleusen um Schädlinge aussen vor zu halten
- Über die Nacht mit dem Boot eingereiste Nordafrikaner sind billige Arbeitskräfte - die Spanier nutzen sie lieber als sie der Polizei zu melden (welche dann auch nichts ausrichten kann). Die illegalen Einwanderer kriegen dafür slumartige Bewohnungen (ehemalige Ställe/Fuhrwerkgaragen) und ein minimales Einkommen. Das ist wohl der pragmatische und realistische Ansatz wo alle Seiten ein bisschen gewinnen, wenn weiter oben nichts handfestes umgesetzt wird.
Ein seltsamer Ort: beeindruckend durch seine Grösse, aber schwer zu mögen.
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| Tröpfchenbewässerung - man beachte die Schläuche am Boden |
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| Das Plastik wird zum Teil mit Kalkmasse bestrichen, damit das Sonnenlicht nicht so aufheizen kann |
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| Blick in ein Parral |
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| Blick in ein Parral mit Ventilation |
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| Die Dinger sind professionell festgezurrt - die Abstände sehen wie ausgemessen aus und es flattert fast nichts, auch nicht bei starkem Wind! |
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| Plastikabfall - wie überall in der Region |
Vélez-Málaga
In Vélez-Málaga wollten wir nur eine Nacht bleiben. Dann kam die Dachterrasse. Blick über die Altstadt, enge Gassen, Wäscheleinen, Stimmen aus offenen Fenstern und Hundegebell. Wir blieben zwei Tage, ohne Plan - einfach nur sein.
Die Stadt ist weniger touristisch als viele Küstenorte, die alten Häuser dicht ineinander verschachtelt. Hier steht Treppensteigen mehrmals täglich auf dem Tagesprogramm, wer ausser Atem kommt, outet sich als Tourist.
| Wer ist wohl am längeren Hebel, sorry Löffel? |
Tinto de Verano
Ein Getränk, das hier fast überall auf den Tischen steht: Tinto de Verano – Rotwein mit Zitronenlimonade.
Für viele Weinliebhaber ist das vermutlich ein Sakrileg. In Spanien sieht man das entspannter: zwei Teile Wein, ein Teil Limo, Eis dazu – fertig. Keine Philosophie, kein Dekantieren, kein Fachvokabular.
Ein Getränk, perfekt für den Sommer! Der erste Schluck ist ungewohnt, der zweite überzeugend, und beim dritten fragt man sich, warum man das nicht schon lange gekannt hat.
Ach übrigens - Tapas bestellt man hier in der Regel nicht extra, die werden einem zu einem Getränk automatisch gebracht. Das haben wir erst nach ein paar Bar-Besuchen bemerkt.
Schlussgedanke
Und wenn du das hier liest – halte einen kurzen Moment inne. Denk an einen Menschen, den du verloren hast und der dir wichtig war. Schliesse die Augen, stell dir sein Gesicht vor, sein Lachen, vielleicht eine gemeinsame Situation. Und sei einfach dankbar, dass es diese Zeit gab.
Für dich, Papi. Danke für den Blick fürs Wesentliche.







































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