Marokko 🇲🇦

Seit unserem letzten Post sind gerade mal 13 Tage vergangen, aber es fühlt sich viel länger an. Ob es mit den vielen Eindrücken aus Marokko oder unserem angepassten Reisetempo zusammenhängt? Ich denke die Franzosen, welche wir auf einem Berg zwischen der Todra und Dades Schlucht getroffen haben, können unser Gefühl bestätigen. Auf die Frage wie lange wir denn bereits unterwegs seien, meinte Valérie 5 und ich 3 Wochen was bei unserem Gegenüber für ein fragendes und dann lachendes Gesicht sorgte.

Ja, in Marokko drehen die Uhren anders. Es geht gemächlicher zu und her. Das merkt man überall aber insbesondere auch beim Bestellen von Essen und Trinken. Ein marokkanischer Tee will angebrüht sein und das kann durchaus 10-15 min dauern. So wohl auch die Lektüre dieses Posts - ihr wurdet gewarnt und viel Spass 😃

Dieses Bild dient der Einstimmung zu diesem doch etwas längeren Beitrag, exgüsi...

Der Tee wird nicht überall gleich zubereitet, manchmal kann man beim zweiten Durchgang noch Pfefferminze oder andere Kräuter zufügen, manchmal kriegt man ihn wie hier in Asilah, sozusagen fertig.

Ronda

Das liegt gar nicht in Marokko, aber zeitlich lag es gerade vorher und ich möchte es noch erwähnen.

Es scheint fast, als ob es mehr Alarme zu Hause gibt, wenn ich
a) entweder rekonvaleszent oder
b) generell weg bin

Das haben meine sehr geschätzten Feuerwehrkolleg:innen so analysiert und deshalbe kriege ich zusätzlich zu einer Alarmmeldung nun auch noch "Merci" Nachrichten... "Fotzuhüng" wäre hier wohl das korrekte Wort dazu 😛 Wieso ich das hier schreibe? Nun, ein Feuerwehrkollege traf nach einem Alarm eine technisch nicht ganz sauber getroffene Feststellung, was von mir gleich eine Antwort provozierte. Von ihm kam zurück: "bin gerade in einer Tapas Bar".

Da gingen bei mir natürlich alle "Alarmglocken" los und so fanden wir heraus, dass er und seine Partnerin nur 2 Fahrstunden von uns entfernt in den Ferien weilten. Dank unserer beiden spontanen Reiseplanung konnten wir uns in Ronda treffen. Eine architektonisch ansprechende Stadt welche früher unter maurischer (Berberstämme aus Nordafrika) Herrschaft war, bis die Spanier es bei einer Belagerung schafften, ihnen die Wasserzulieferung (siehe Casa del Rey Moro und hier) zu unterbrechen und so zur Kapitulation zu zwingen.

Danke Ädu und Cora für das (für euch erneute) Treppenlaufen und den sprichwörtlich genussvollen Moment zusammen! 




Erstklassig ausgesuchte Tapas Bar! Danke Ädu und Cora 💖


Tanger Med / Asilah bzw. die Ankunft in Marokko

Wir haben eine Fähre ab Algeciras nach Tanger Med (so heisst der Hafen in der Freihandelszone neben Tanger) genommen. Die Fahrt alleine dauert ca. 1h 30min und wer nicht einen Bettler am Terminal unterstützen wollte, muss spätestens auf dem Schiff das Einreiseformular ausfüllen (dafür ist es nun kostenlos). Das wird dann von einem unmotivierten Immigrationspolizisten erfasst, der macht einen Stempel in den Pass (wow - lange ist das her!) und tippt die Nummer in den PC. Seine Arbeitsumgebung? Ein Koffer mit einem verstaubten alten Lenovo Laptop und Fingerabdruckleser - schön in Schaumstoff gepolstert und abschliessbar 😄

Den ersten Kulturunterschied merkten wir beim Anlegen. Die Trucker starten gerne bereits im Schiffsbauch ihre Motoren, um die Kabine herunterzukühlen. Nicht so nett wenn man sich in unsere Position versetzt - ohne Kühlung in Motorradkleidern und jetzt noch mit frischen Abgasen gefüttert...

Dann geht es los - koordiniert unkontrolliert. Das Einzige was der Willkür einen Halt gebietet ist die Polizei:

  • erster Stopp: Kontrolle des Einreiseformulars
  • zweiter Stopp: Passkontrolle
  • dritter Stopp: temporärer Imports unserer Motorräder (so ein Stück Papier welches man nicht verlieren möchte)
  • vierter Stopp: ist dann der Bancomat um marokkanische Dirham zu kriegen und der erste ohne Polizei...

Darauf folgten die ersten Kurven in Marokko, das Angewöhnen an die Strassenverhältnisse, die Verhaltensweisen auf der Strasse (und auch daneben). Es gibt immer Polizeikontrollen - vor dem Ankunft in einer Stadt, beim Verlassen ebendieser und einfach zwischendurch mal (gerne auf einer längeren Geraden bzw. bei Kreuzungen). Als gut erkennbare Touristen heisst es jeweils langsam vorfahren bis dich die Polizei durchwinkt. Angehalten wurden wir bis jetzt nie - was sicher auch mit unserer vorbildlichen Fahrweise zusammenhängt 😇 😛 In seltenen Situationen wissen wir bis jetzt aber immer noch nicht, wer denn genau Vortritt hat. Das Lesen des Verhaltens der anderen Teilnehmer und eine deutliche und bestimmte Fahrweise halfen bis jetzt aber immer zum unfallfreien Klären des Sachverhaltes.

Sonst ist die Fahrweise der Marokkaner mal sicher nicht spurtreu aber immer beobachtend. Sie fahren bereits los, weil sie wissen, dass du gleich durch bist. Alle wissen auch immer ob sie ein bisschen ausschwenken können, im Zweifelsfall wird gehupt was soviel heisst wie "ich komme und es wird eng, pass auf". Ganz generell ist die Fahrweise flüssig improvisiert - wie Italiener, einfach ruhiger 😂 Wenn jemand links blinkt will er dich überholen lassen, aber das kann auch nur für 1-2s sein, weil das Mitdenken dann doch nicht bis weiter als zur unübersichtlichen Kurve reichte, aber immerhin!

Asilah am Abend - das Meer liess den Nebel steigen was ein bisschen mystisch aussah

Thou shall not pass!

Erster Morgen in Marokko - Erdnüsschen vom Strassenverkäufer, Yoghurt vom Supermarkt, Kaffee und Milch vom eigentlichen Restaurant. Alles wird passend gemacht und jeder ist zufrieden 💗


Der Restaurantbesitzer und sein Gehilfe halfen uns bei den ersten arabischen Wörtern, Marhaba!

Anhänger bockt auf beim Herausfahren ab der Fähre, genaues Zuschauen half (zumindest wurde sonst nichts geändert aber es ging dann doch irgendwie).

In der ersten Unterkunft fanden wir diesen Aushang am Lift, daneben noch eine Info, welche Wohnung über welches Jahr wieviel Geld schuldet...

Eines muss man ihnen lassen, die Ladungssicherung ist generell 1a - da wackelt nichts und auch mit Fahrtwind bleibt alles still! Einfach manchmal ein bisschen überladen?


Fès

Die drittgrösste Stadt in Marokko (nach Casablanca und Tanger und noch vor der Ex-Hauptstadt Marrakesch) gilt als intelektuelle und spirituelle Hauptstadt Marokkos. Fès beherbergt unter anderem die älteste Universität der Welt - Al-Karaouine wurde 859 gegründet! Die Stadt zieht einem unmittelbar in ihren Bann mit ihrer Altstadt (Medina). Mit über 9'000 Gassen und einer Fläche von 280 Hektaren ist es der grösste städtische Bereich ohne Autos weltweit. Wieso? Nun, in diese engen Gassen passen schlicht keine Autos. Es gibt hier keine Feuerwehr oder Ambulanz welche helfen können. Wenn es brennt (was durchaus vorkommt), dann helfen sich die Bewohner so gut es geht und wenn jemand medizinische Hilfe braucht, werden sie in Wägelchen von Hand an die Grenzen der Altstadt gefahren.

Wo erlaubt wird die Ware noch mit Eseln transportiert, gewisse Marktbereiche werden nur mit Handkarren bedient. Es ist alles am Hügel - man kann sich vorstellen, was das für die Helfer bedeutet.

Auch der Abfall muss händisch an die Altstadtgrenzen gebracht werden. Irgendjemand scheint aber dafür bezahlt zu sein, denn am Abend lag doch hier und da noch relativ viel Plastik und sonstiger Abfall - was dann am Morgen deutlich besser aussah.

Wer in der Medina versucht mit Google Maps zu navigieren wird lernen, dass ohne gute Satellitensicht bzw. verortete WLANs die Ortung schwierig bis unmöglich wird. Man orientiert sich am besten an den angeschriebenen Restaurantnamen und sucht diese dann auf der Karte.

Wie soll man unser Gefühl beschreiben für dieses Gewusel auf engem Raum? Am ersten Abend noch überrumpelt und gerne ins Riad (traditionelles marokkanisches Haus mit Innenhof/Garten - oft für Übernachtungen buchbar) zurückgeschlichen, haben wir den zweiten Tag genossen und am dritten Tag sind wir freiwillig von der "neuen Stadt" in die Medina zurückgekehrt und kannten mittlerweilen genügend lokale Leute, dass es sich fast wie ein Heimkommen angefühlt hat. Lachend können wir zurückblicken, wie wir am ersten Tag mit den Motorrädern bis direkt vor das Fahrverbot gefahren sind und dann mit Gepäck unser Riad gesucht hatten. Bereits nach 20m hatten wir die Orientierung verloren und nahmen dankend einen spontanen Helfer in Anspruch (der sich dann über das Trinkgeld freute).



Gewürzkaffee auf heissem Sand zubereitet, sehr lecker! Als zum Gebet gerufen wird (gläubige Muslime müssen 5x pro Tag beten), lässt er den Stand und mich mit dem Getränk zurück - mit dem vollsten Vertrauen, dass ich nicht abhaue und noch zahlen werde...


Interessiert und die Situation aufsaugend

Das sind noch die breiten Gassen

Das berühmte Eingangstor zur Medina (Bab Bou Jeloud)

Weil auch keine Baumaschinen hereinkommen, werden die Reparaturen so gut wie möglich von Hand ausgeführt. Hier werden die Wände gestützt und ja, das ist jetzt eine enge Gasse...

Lederzubereitung

Wenn irgendwo, dann wird das Handwerk der Gerber sicherlich hier noch ausgelebt. Es gibt drei grosse Gerbereien, welche man besuchen kann. Wir waren in der Dar Dbegh Chouara. Weil der Post wohl lang wird, verzichte ich hier auf die detailreicheren Beschreibungen und verlinke auf einen guten Text für die Interessierten. 

Wären wir jetzt nicht mit dem Motorrad unterwegs, hätten wir uns vielleicht zum Kauf der Produkte hinreissen lassen - sie sehen nicht nur erstklassig aus, sondern sind auch so verarbeitet 😍 So bleibt es aber bei der Vernunft, dass wir eigentlich nichts benötigen.

Wie lange sich das Handwerk noch so halten kann und ab wann die Industrie und Chemikalien  Überhand nehmen, ist offen. Eindrücklich war es alle Mal und der schlimmste Gestank ist wohl der Taubenkot welcher dank dem darin enthaltenen Ammoniak die Häute weich macht, damit dann die Farbe besser aufgenommen wird. 1 Kg Taubenkot kostet übrigens im Einkauf 1 Euro.

Anlieferung der frischen Häute

Der grosse Tank ist Wasser mit Taubenkot vermischt, daneben hat es die Bereiche mit Kalk

Die Häute werden versenkt - alle aufgeschichteten Häute hatten in dem "Bottich" hier Platz. Überschwappende Flüssigkeiten werden durch ein ausgeklügeltes System weitergeführt

Hier wird die Waschmaschine geleert - die Häute sind nun sehr weich

Hier werden die Häute nach dem Trocknen weich gemacht, bevor sie dann zu Produkten verarbeitet werden. Diese physische Arbeit führt der Herr bereits sein Leben lang aus (Name leider vergessen)


Unterwegs nach Merzouga

Auf dem Weg zum Wüsten-Hotspot für Touris sind wir bei Ifrane vorbeigekommen. Das "Schweiz von Marokko" wird es genannt und ganz falsch ist das nicht. Die Häuserbauweise ist anders und die Sauberkeit springt ins Auge.




Weiter ging es bei den Berberaffen ("Macaque" auf französisch genannt) vorbei, welche sich keiner Diskretion bewusst sind - gedauert hat es aber nicht lange...

Unser nächster Stopp war Er-Rachidia. Der Besitzer hat das Haus von den Eltern übernommen und viele Ideen was er beruflich (neben der Vermietung) machen könnte. Er scheiterte aber schon beim Zimmer bereit halten für die Gäste. Das geschnittene Palmenholz mochte er auch noch nicht zum Haus transportieren - mit der Begründung, dass sich sonst nur der herumfliegende Abfall darin verfangen würde. Mag ja sein, aber wäre nicht seine Frau Fatima, würde sein eher gemütlicher Lebensstil wohl nicht lange gut gehen. Unser Aufenthalt war jedoch sehr herzlich, authentisch und die Tajine zum Abendessen absolut fantastisch; wir wünschen den beiden viel Erfolg!

Plötzlich kam noch ein anderer Biker an, welcher die Nacht für sich alleine gebucht hatte, aber mit (nach eigenen Worten) seiner Frau unterwegs war. Mit dem Wissen, dass Marokkaner nur mit einer Hochzeitsurkunde ein Doppelzimmer buchen dürfen, der Länge dem Gespräch der beiden Herren vor der Türe nach und dem Fakt, dass der Biker von seinen ganzen Ferien nur Bilder von sich und immer ohne seine Frau hochlud, vermute ich, dass dies vielleicht nicht die ganze Wahrheit gewesen war 😄

Einfach ein Stilbild

Landschaft kurz vor Er-Rachidia


Viele Farben! Und mindestens eine Fliege zuviel für entspanntes Sitzen, grr....

Diese Kinder begleiteten uns auf dem Abendspaziergang. Die Verständigung ging auch ohne gemeinsame Sprache erstaunlich gut. Für Valérie das schönste Erlebnis der Reise bis zum Zeitpunkt dieses Beitrages.


Alsdann ging es weiter nach Merzouga. Die Berge hinter uns lassend wurden die Strecken so gerade, dass vor einer leichten Kurve jeweils gewarnt wurde:


Mit einem Schmunzeln mussten wir uns an den Nienstedter Pass erinnern - mit 277m die höchste befahrbare Erhöhung im Raum Hannover (D) und für ungeübte Motorradfahrer anscheinend nicht zu empfehlen. Der Schwierigkeitsgrad war bei den insgesamt jeweils ca. 8 Kurven recht identisch 😉

Abseits der Strasse gähnende Leere und Ebene. Wenn Weite fast erdrückend wirken kann...:



Merzouga

Hier ist alles für das Wüstenerlebnis aufgegleist. Quad-/Buggy-/Motorrad-/Jeep-Exkursionen. Mit dem Dromedar durch die Wüste, Sandsurfen oder einfach in einem Zelt in der Wüste übernachten.

Es gab Unterkünfte ab 1 EUR die Nacht (!), sodass ich dann mal bei einem Marokko erprobteren Kollegen (danke Ronny) nachfragte. Mit einer IP aus der Schweiz war der Preis dann gleich deutlich höher für die gleiche Unterkunft.

Wir buchten zwei Nächte in einem Zelt mit einem nicht zu hohen aber auch nicht zu tiefen Preis. Gleich nach der Buchung wurden wir informiert, dass wir uns entscheiden müssen ob wir den Transport ab Parkplatz mit dem Jeep oder Hin mit Dromedar / Zurück mit Jeep machen möchten. Das kostete dann gleich nochmals den Preis der Unterkunft pro Person zusätzlich (für ca. 3km wie wir prüften). Habe mich dann erkundigt, ob wir denn beim Hotel (wo der Parkplatz lag), zumindest noch den Swimming Pool benutzen durften wenn wir etwas früher eintreffen würden, was sie bejahten. Das musste ich dem Wirt dann aber noch schriftlich zeigen, bevor er zähneknirschend einwilligte. Vom Pool aus in die Wüste zu schauen ist komisch und ein dekadentes Gefühl - aber seeehr erfrischend bei den vorherrschenden Temperaturen! Auch konnten wir von dort das Nachtlager der Rallye "Roses des Sables" sehen - ein rein für Frauen ausgelegtes Abenteuer - der Aufwand der dafür betrieben wird ist immens, werde wohl noch eine Doku dazu schauen bei Gelegenheit.

Unsere Wüstenerfahrung war schön aber auch nicht mehr. Beim nächsten Mal würden wir ein authentischeres Erlebnis buchen (ganz so wie meine Schwestern zu reisen taten, gell Dani und Irene 😉)











Todra und Dades Schlucht

Die sind schlicht der füdliblutte Wahnsinn! Die Landschaften dort sind atemberaubend und Worte können das schwer zusammenfassen - die Gegend ist ein Muss einer Marokko Reise! Hier also die Bilder und zwei Videos stelle ich noch als Link bereit - es sind zusammengeschnittene Ausschnitte der zwei Tage (Video Todra und Dades) und dauern je ca. 4min.









Mehr als genügend Platz, nicht wahr Aurélie? 😄







Glücklich über Schatten und einen Apfel


Google weiss noch nicht alles! 😋



Jaja, ein bisschen Putzen schadet nie - auch wenn mir da eingefleischte Töfffans widersprechen würden; ihr seid zuweit weg 😉



Ouarzazate

Aktuell letzter Standort war diese lebendige Stadt an der Grenze des hohen Atlas zum Antiatlas. Früher klein und nicht so wichtig, gewann es mit der französischen Protektorat an Wichtigkeit. Das Klima ist generell warm und die Sonne steht jeden Tag bereit. Das Leben hier ist eine angenehme Mischung aus Tradition, Moderne und Tourismus.

Noor

Das war auch der Grund, wieso mit Noor (arabisch für "Licht") 1-4 Kraftwerke zur Ausnutzung der Sonnenenergie in diese Region gebaut wurden. In kurzen Zeitabständen wurde hier gebaut, verbessert und wieder gebaut, ein bisschen das Labor zur Gewinnung von Energie aus der Sonne. Wikipedia hat die Übersicht recht gut gemacht und wurde daher verlinkt.

Das Auge von Noor3 ist weithin gut sichtbar und eine Sonnenbrille empfehlenswert. Die ersten zwei Bilder haben die gleiche Einstellung ausser dem Polarisationsfilter. Beim letzten Bild sieht man gut, wie das Licht zentral gebündelt wird.

Die Anlage ist übrigens bewacht und es gibt überall Fliegerabwehrkanonen und Soldaten, welche einem aber freundlich durchwinken (wohl solange man sich ausserhalb des Zauns bewegt).





Kasbah Taourirt

Die Lehmburg (Kasbah) fasziniert mit ihrer Grösse und wie gut sie erhalten ist. Als Besucher ist ein Teil frei zugänglich und es lohnt sich einen Führer zu nehmen (wir bezahlten 100 MAD), um die leeren Räumlichkeiten auch verstehen zu können. Sie ist auf jeden Fall einen Besuch wert und eindrücklich!
  • Die Mauern sind dick und stabil gebaut
  • Wenn zwei Türen hintereinander vorhanden sind, können beide hoch gebaut werden, weil die Hitze nicht eindringen kann (es wird immer nur eine Türe aufs Mal geöffnet). Bei nur einer Türe wird diese tief gebaut, damit nicht zuviel Hitze ins Gebäude eindringt
  • Die Schlafzimmer haben wenig Licht und sind gegen innen gebaut, wo es ruhiger ist
  • Die Fenster sind generell tief gebaut, weil man meistens im Sitzen (auf Teppichen) ass, trank und diskutierte
  • Der Pascha (sowas wie der Statthalter) hatte ein Harem (meistens 4-5 Frauen). Die Lieblingsfrau war diejenige, welche den ersten Sohn (und damit Stammhalter) gebärte. Weil die dann ein grosses Haus inmitten der Kasbah und viel Diener erhielt, war die Eifersucht der anderen Frauen gross und sie versuchten, den Sohn umzubringen. Dies führte zu vielen Sicherheitsmassnahmen, u.a. durfte der innere Türwächter nur öffnen, wenn er vom äusseren Türwächter persönlich das OK erhalten hatte. Oder aber beim Zimmer vom Sohn war das Fenster hoch gebaut, so dass niemand ihm von aussen böses Tun konnte
  • Jedes Haus hatte Räumlichkeiten zur Lagerung von Gemüse/Früchten (ohne Fenster) bzw. Tieren (mit Fenstern) sowie einen Brunnen und war so im Falle einer Belagerung eine Zeit lang autark
  • Angestellte der Kasbah durften diese nie bzw. nur unter Begleitung/Beobachtung von Soldaten verlassen, damit sie die inneren Geheimnisse nicht ausplaudern konnten
Das "arabische Telefon". Von unten bis oben offen, ermöglichte es das Essen aus der Küche (zuunterst) schnell zu den Gästen oder Bewohnern kommen zu lassen (weiter oben). Ebenso konnte man sich so schnell austauschen. 

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Haus der Lieblingsfrau - es hat viel mehr Räume und ist auch extra so gebaut, dass ein potentieller Angreifer nicht schnell durchkommt bzw. sich verirrt um den Verteidigern Zeit zur Verteidigung zu geben.

Das Zimmer des ersten Sohnes mit hohem Fenster

Der Essensraum im Haus der Lieblingsfrau

Die Kasbah wird nach einem Erdbeben vor nicht allzulanger Zeit renoviert und ganz so, wie sie früher gebaut wurden. Sieht drollig aus, Arbeiterschutz inklusive (einer hat eine Leuchtweste!) 😀

The Hills Have Eyes

In den Jahren 2006 und 2007 wurde hier ein Horrorfilm gedreht. Die Szenerie ist erhalten geblieben und spannend, wenn man mal ein Filmset noch 1:1 durchstreifen kann. Auf meine Frage, ob er denn was aussergewöhnliches beobachtet hätte in der Nacht, musste der Wärter nur lachen - ich werte dies als ein klares Nein!




Frage/Antwort zu Marokko

Frage: Welche Eigenschaft der Marokkaner hat dich am meisten gefreut?

Valérie: ich finde sie sehr hilfsbereit und grosszügig. Wir kriegten zum Teil Verpflegung auf den Weg (Äpfel, Brot). Ebenso wurde bei der Wegsuche geholfen (in der Medina aber auch sonst). Dankbar war ich für den Autofahrer welcher anhielt um uns von dem gewählten Weg abzuraten (weil er sogar für marokkanische Verhältnisse schwierig zu fahren sei) und uns dafür verriet, wo wir durch mussten. Und als Frau wird man zwar gemustert und angeschaut, aber ich fühlte mich nie unwohl oder von den Männern bedrängt.

Emanuel: sie sind generell sehr freundlich und oft kriegt man auch die eigentlichen oder sehr faire Preise ohne verhandeln zu müssen. Stutzig werden sollte man nur, wenn sie einem versprechen, dass alle den gleichen Preis kriegen - auch die Marokkaner selber. Dann weiss man, dass Allah den Muslimen zwar das Lügen verboten hat, aber so ein bisschen übers Ohr hauen ist ja noch nicht gelogen-gelogen 😉


Frage: Was hältst du vom Essen?

Valérie: (nach einem ausgedehnten Lachen) Couscous ist lecker, das Wort Tajine (Anm. der Redaktion: ähnlich zu einem Dampfkochtopf und kommt aus der Berber-Küche) kann ich aber nicht mehr hören. Mein Bauch findet es nur mässig.

Vegetarische Tajine mit Couscous und Gemüse

Poulet Tajine mit Gemüse, Kartoffeln und Ei

Emanuel: ich finde es sehr fein - auch wenn gewisse Gewürze in fast jeder Tajine rausgespürt werden: Kurkuma, Kreuzkümmel, Ras el Hanout... Mir fehlen aber am Morgen die Köstlichkeiten vom Bäcker - es gibt Gipfeli und was ähnliches, einfach mit leichtem Zuckerüberzug oder Biscuits in allen Variationen. Aber nicht so unterschiedliche und leckere Sachen wie in Frankreich, Dänemark oder auch bei uns zuhause.


Frage: Was hat dich überrascht?

Valérie:
  • die Leute sind eher klein (ich selber stehe auf grosse Männer 😉)
  • dass vieleorts Abfall (auch in der Natur und Wüste) herumliegt
  • dass es einen Antiatlas gibt, welcher den hohen Atlas seinerzeit aufgehalten hat
  • dass mir nach zwei Wochen die ewige Sonne bereits auf den Sender geht (Entschuldigung an alle diejenigen, welche im Regen oder Nebel sitzen). Man kriegt also bewusste und grosse Freude an kleinen Wolken!
  • die Freude der Kinder wenn wir vorbeifahren
Abfall auf dem Lande

Abfall in den Bergen



Emanuel:
  • dass es 27 (?!) essbare Dattelsorten gibt - sogar halbreif können sie gegessen werden (sind dann aber extrem adstringierend)
  • wie lecker der Espresso hier ist - Qahwa (Kaffee auf Arabisch) gibt es pur oder mit Kardamon vermischt oder auch als Gewürzkaffee (spice coffee) mit Zimt, Kardamon, Pfeffer, Muskat, Nelken und Ingwer
  • dass das weltbeste Bananenlassi in der Medina von Fès zu finden ist. Nach 5 Lassis bei zwei Besuchen mussten sie Banane nachkaufen gehen
  • dass die Baustellenbeschilderung der von Italien gleicht: da kommt ein Warnschild, dann 40km/h, 20km/h und dann geschieht nichts bzw. nichts wozu man bremsen müsste
  • aber wohl am meisten wie krass die Schere zwischen Arm und Reich ist! Es fällt einem immer wieder auf und regt schon zum Nachdenken an
Dattelpalme mit ganz jungen Früchten

Halbreife Dattel - aussen rot und eher hart, innen knacking, süsslich und Schleimhäute austrocknend. Speziell, lecker aber eine reicht!

Papierservietten und dreckiger Halter - immer noch Stadt aber bereits etwas ärmere Gegend

Baustellenbeschilderung



Frage: welchen Ausrüstungsgegenstand beim Reisen würdest du nicht mehr missen wollen?

Valérie: das Sackmesser von Emanuel und meinen Sonnenhut

Emanuel: den Wäschesack von Cocoon (siehe hier)! Gegenüber einem Plasticksack kann leicht feuchte Wäsche nachtrocknen und fault nicht, ebenso riecht es nicht so stark. Er ist zudem flexibel in der Grösse, robust und leicht zu tragen. Ich freue mich immer noch jeden Tag darüber 😍



Frage: Welcher Ort hat dir bis jetzt am meisten gefallen und wieso?

Valérie: nach dem ersten Kulturschock die Medina von Fès, wegen der Herausforderung den Weg zu finden, den vielen Eindrücken und Gerüchen sowie den Dachterassen mit Weitsicht.

Valéries Süssigkeitenlieferant

Aussicht von einer Dachterasse auf die Altstadt


Emanuel: die Route mit den Schluchten Todra und Dades über Agoudal. Die Landschaft ändert sich stetig: von 300m hohen Felsenwänden, zu grünen Feldern inmitten vom Nichts. Zu eckigen, abgerundeten und sonstigen Felsformationen. Extreme Weitsicht oder enge Gassen. Und Felsen mit allen Farben (orange, rot, gelb, weiss, grau, blau, grün) je nach Lichteinfall und Mineralienzusammensetzung - das ist schwer beeindruckend.


Frage: Welches Erlebnis mit einem Tier hat dich am meisten beschäftigt?

Valérie: für dass Esel ihre Helfer sind, werden sie schlecht behandelt. Damit sie nicht weglaufen, werden ihnen die Vorderfüsse zusammengebunden. Beim Transport werden sie mit Stöcken geschlagen obwohl sie bereits gehen und sie werden meistens alleine gehalten, an der Sonne ohne Schatten.

Emanuel: nichts für Zartbesaitete. Die Haltung der Hühner - sie kommen zusammengepfercht und können sich nicht bewegen. Das Huhn wird bei Interesse gewogen, die Kehle durchgeschnitten und kopfüber zum Ausbluten in einen Trichter gesteckt. Dann in sowas wie in einer Waschmaschine gerupft und zuletzt ausgenommen. Dies geschieht ganz normal bei jedem Metzger vor Ort. Immerhin ist das Fleisch frisch, aber ich habe den Geruch (Gestank!) eines Hühnertransports schnell assoziiert und rieche ihn nun auch, bevor ich ihn sehe.

Die typische Art wie Hühner hier leben


Frage: Was wirst du zurück in der Schweiz am meisten vermissen?

Valérie: (lachend) das Plumpsklo ohne Toilettenpapier! Und dass ich zurück in der Schweiz wieder unverheiratet bin (immer noch lachend). Nein, der marokkanische Tee mit sehr intensivem und frischen Minzegeschmack!
Der Tee wie wir ihn meistens geniessen - süss, stark und mit Schaum (ganz wichtig!)


Emanuel: die Liebe zur Dekoration, den Mustern und Farben. Die Imazighen (Berber) haben vor allem an den Aussenwänden aufwendige Verzierungen und Symboliken und Araber eher im Haus drin. Aber allen gemein sind unglaublich aufwendige Muster, liebevolle Details und viel Farbe (die Wüste selber ist öde genug, da lieben sie etwas "Blumen" wie sie den farbenfrohen Mustern sagen).


Überall Farben und Muster (Fenster, Sitzkissen, Wände..)


Unsortierte Gedanken

  • Dass in Ländern wo die Temperatur oft über 30°C ist, eine Siesta oder Mittagspause vorherrscht, verstehen wir sehr gut. Auch wir hatten keine Lust oder Energie am Blog zu schreiben und frönten uns lieber einem Schattenplatz mit einem marokkanischen Tee oder Hawai (das in Marokko erfundene Limo mit Passionsfrucht, Orangensaft und Kokosnuss, welches dann von Coca-Cola übernommen wurde)
  • Wir haben bis dato erst ein Auto gesehen welches ein Elektroauto sein könnte. Obwohl das Tankstellennetz gut ausgebaut ist, gibt es wohl sonst noch zuwenig Interesse/Infrastruktur. Was hier dafür noch an VW Jettas herumfährt (ja Mueti, dein Auto wäre hier noch lange weitergefahren 😄)
  • Die lokale Bevölkerung aus Aït-Ben-Haddou welche beim Film Gladiator mitgeholfen hat, kriegte pro Tag 2000 MAD (ca. 200 CHF) und dies über 8 Monate. Mohammed welcher mit uns sprach war sehr zufrieden darüber und konnte dadurch zwei Häuser renovieren und ein Restaurant eröffnen.





  • Es gibt den hohen und mittleren Atlas uuuuuund *trommelwirbel* den Antiatlas. Die ersten beiden Berggebiete entstanden aus der europäischen Kontinentalplatte und der Antiatlas aus der afrikanischen. Der Antiatlas war es übrigens, welcher den hohen Atlas "im Aufbau" stoppte (sorry für meine geologisch saloppe Ausdrucksweise).
  • Der Atlas ist so gross, dass man sich auf 1500m befindet, aber weil weitherum alles flach ist (die einzelnen Berge zwar sichtbar) man gar nicht realisiert, dass man eigentlich bereits auf dem Berg ist... 😅
  • Mitnahme von Einheimischen auf dem Motorrad ist möglich - während einer meinte er dürfe nicht wegen dem fehlenden Helm, waren andere unkomplizierter:
     

  • Das Phänomen, dass ältere Personen jemand jüngeres im Ausland suchen, gibt es auch hier, was in grösseren Städten schnell sichtbar wird:
     

  • Das Restaurant auf dem Bild war geschlossen und auf unsere Nachfrage hin, wurde uns bescheinigt dass der Besitzer zuviel Geld verloren habe beim Handel mit Hanf und Drogen und abgehauen sei. Auf meine Antwort, dass er aber ein tolles Haus hätte, haben sie mich nur ausgelacht und geantwortet: "was bringt es ihm nun"? Entwaffnend simple Feststellung und irgendwie wahr.


  • Die Sammelbezeichnung Berber für die indigenen Ethnien der nordafrikanischen Länder. "Berber" wird hier noch oft auch von ihnen selbst benutzt. Bis jetzt wurde mir aber zweimal erklärt, dass es eine schlechte Konnotation hat (kommt aus dem arabischen "Barbar" was "Fremd" und "Unzivilisiert" bedeutet und in der Vergangenheit von Kolonialmöchten übernommen und abwertend gebraucht wurde). Sie selber nennen sich lieber Amazigh (Plural: Imazighen) was sinngleich ist für "freie Menschen" bzw. "edle Menschen".
  • In Marokko wurde Tamazight (eine der drei Sprachen der Amazigh) als offizielle Amtssprache anerkannt. Das Problem ist nun, dass noch nicht alle Beamten die Sprache können - was sich aber hoffentlich in der Zukunft bessern wird. An den Schulen wird es nun auf jeden Fall unterrichtet.

    Beschriftung auf arabisch, tamazight und französisch

Unsortierte Bilder



Die Strasse von Ouarzazate nach Marrakesch hat diesen tollen Verlauf - ein Traum für viele ausser LKW und Reisebusfahrer 😀

The early bird (gets there before the other tourists arrive).

Landschaft im Atlas, so schön, dass das hier noch rein durfte

Unsere Wenigkeit 💕

8 Kommentare:

Eva hat gesagt…

Super votre périple, merci pour les photos et les informations. 💕

Anonym hat gesagt…

Mega Cooler Beitrag und einfach nur spannend zu lesen - das mit dem kommentieren klappt jetzt auch, wenn man am richtigen Ort klickt ;-) - habt ihr in der Wüste die Sterne gesehen? Das war für mich damals unfassbar schön....

Anonym hat gesagt…

Merk grad bin nicht eingeloggt - IT ist nicht so mein Ding ;-) - Grüässli Ronny

Anonym hat gesagt…

Mais dieses rumgechille geht grad gar nicht
🤩 Aber wenn ihr schon nervt… g’niessets 🥹
Hüùbi Chüùbi
V

Emanuel hat gesagt…

Merci Eva, ça fait plaisir de savoir que vous aimez le lire

Emanuel hat gesagt…

Lol - auch danke dir Ronny ;) Und ja, Sterne gesehen - definitiv viele, aber eben trotzdem ein bisschen abgelenkt durch das zu touristische Umfeld.

Emanuel hat gesagt…

Wir machen was wir am Besten können lieber Valentin ;) Danke dir und hey - geniesse es mit uns bzw. lasse dich inspirieren! Das fände ich suderduperio!! (Und wir hätten auch noch Zeit und könnten dich/euch unterwegs besuchen kommen.)

Anonym hat gesagt…

Hammer Bricht! Mersi viu mau öich 2ne 🙏 u dBiuder gfauemer super - git ä guete Iidruck was der so er- u dürläbet.