Sri Lanka und zurück in der Schweiz

Im Norden - Jaffna

Wie im letzten Post angetönt, sind wir mittlerweilen in Jaffna angelangt. Im Norden sind die Tamilen vorherrschend. Das ist ein Volk, welches vor allem in Südindien und im Norden von Sri Lanka beheimatet ist. Tamilen sind meistens hinduistisch, während die sonst in Sri Lanka vorherrschende Merhheit der Singhalesen eher buddhistisch sind.

Merkt man den Unterschied? Wir meinen ja:
  • das Essen war spürbar indischer angehaucht
  • die Tamilen wirkten auf uns reservierter - auch sie lächeln, aber erst nach einer Musterungssekunde
  • teils konnten wir weder Bier noch Tee bestellen - das erste ist ja noch nachvollziehbar, aber Tee? 😐

Die Tamilen haben anscheinend trotz des Bürgerkriegs von 1983-2009 noch immer nicht die gleichen Rechte wie die Singhalesen aber umgekehrt haben es die Singhalesen nicht einfach, sich im tamilischen Norden niederzulassen. Auch wenn der Unterschied nicht dramatisch ist. Er ist spürbarer als wir erwartet haben.

Am ersten Tag durchlebte Valérie noch die Folgen einer Lebensmittelvergiftung und wen wundert's - auch sie fand es nicht toll... Das gab mir hingegen die Möglichkeit, in der Nähe ein Kaffee aufzusuchen, welches dem Namen alle Ehre machte: Nuss-Macchiato, Caramel-Cappucino, Espresso - ich habe mich durchgetestet und dort Fotos bearbeitet. Als wir am darauffolgenden Abend nochmals vorbeigingen und sie schon geschlossen hatten, haben sie extra nochmals geöffnet und den Abendputz verschoben - schön wenngleich auch ein bisschen unangenehm. Sie bestanden aber darauf und wir genossen daher noch einen letzten Kaffee/Tee dort 🙈

Am nächsten Tag haben wir die Festung am Meer besucht (Jaffna Fort) und sind mit dem Tuk Tuk über die angrenzenden Inseln gefahren. Während zuerst ganz viele Lernfahrer aus Jaffna mit uns die Strasse teilten, so war der Weg danach geprägt von toller Natur und vereinzelten Wohnsiedlungen um dann mittels einer Fähre von Kayts nach Jetty zu führen und am Schluss in der Agglomeration, die Armut gnadenlos zu offenbaren.

Jeweils am Morgen regnete es kurz und heftig

Jaffna Fort mit den nicht so motivierten Grassschneidern. Wem kann man's verübeln? Sie haben eine ca. 15cm lange Klinge unten am Metallstab und müssen das "Messer" von Hand schwingen - da kommt man ja nicht vorwärts 😁



Sieht das nicht schön aus? Da hat jemand geshoppt und die Ladungssicherung ist erste Güte. Kurz darauf wurden sie von der Polizei angehalten - wir haben ihnen fest die Daumen gedrückt, denn so ein bisschen Gepäck darf in Sri Lanka unmöglich ein Problem darstellen!

Einer der unzähligen Lernfahrerbusse. Sie fahren 100m, dann wird angehalten, besprochen und Lernfahrer gewechselt

Auf der kostenlosen Fähre welche uns 150 Rupien kostete (aber bitte nicht direkt vor den Augen der Polizisten zu bezahlen sind!) 😂

Wenn es fährt kann es nur sicher sein! Immerhin wurden wir gegen die Strömung mit einem Stahlseil gesichert (rechts im Bild / der Schiffsmotor wäre zuwenig kräftig dagegen anzukommen). Nach dem Zufallsprinzip wurden auch Schwimmwesten verteilt: ich erhielt eine, Valérie nicht. Vielleicht weil sie sitzengeblieben war? 



In Jaffna haben wir auch einen hinduistischen Tempel (Nallur Kandaswamy Temple) besucht, das war schon lange auf meiner Wunschliste! Die Tempels sind jeweils herrlich üppig bemalt und verziert - das Auge entdeckt immer was Neues. Von aussen durften wir ihn fotografieren, von drinnen dann nicht mehr. Dass die Schuhe ausgezogen werden müssen, waren wir uns bereits von den buddhistischen Tempeln gewöhnt. Dass ich als Mann das Oberteil ausziehen musste, war dann doch eher ungewohnt und ich eine Art Farbtupfer 😀

Wir kamen um ca. 17 Uhr an, was absolut ideal ist. Denn dann und um 18 Uhr gibt es je eine Zeremonie: da wird musiziert, etwas gewandert, wieder musiziert und zurückgewandert. Dann folgt man einer brennenden Öllampe (bzw. den Priestern oder wie man die nennt) welche alles mögliche und jede noch so versteckte Statue ehren (viele sind in kleinen Häusern hinter einem Vorhang, welcher geöffnet und wohl um 18 Uhr wieder geschlossen wird). Zuletzt werden Blumen verstreut und ein Metallhuhn geehrt, bevor man sich auf den Boden legte und ruderte. Ende der Zeremonie 😄 Verzeiht meine amateurhafte Beschreibung aber kurz zusammengefasst: es war sehr eindrücklich und wir empfehlen den Besuch effektiv unbedingt! 

Der Eingang zum Nallur Kandaswamy Tempel


Verschiedene Bilder aus Jaffna

Die Mücken sind hungriger hier als sonstwo; wir haben den Mückenspray flugs wieder hervorgenommen (und uns an den Besuch bei dir, Fred, erinnert) 😂






Anuradhapura

Die Stadt, deren Namen man immer gerne wieder vergisst!

Auf dem Weg dorthin sollten wir zweimal von der Polizei angehalten werden:
  • noch in Jaffna überholte ich einen LKW, als Valérie meinte, dass mich der Polizist rechts habe anhalten wollen. Ich habe den aber ignoriert, da ich bei einer doppelten Sicherheitslinie überholt habe... Das würde im Normalfall niemanden interessieren, aber ich denke, just hier hätte es ihn interessiert 😁 Das Ignorieren sollte sich bewähren, wir wurden nicht verfolgt
  • auf der A9 haben wir dann einen Sri-Lanker getroffen, welcher ein defektes Motorrad hatte und noch so gerne mit uns mitreiste (so konnte er seine Frau und Baby doch noch sehen). Mit ihm zusammen wurden wir an einer Sperre von der Polizei angehalten. Diesmal war Valérie gefahren und das war ein bisschen blöde, denn für sie haben wir den sri-lankischen Fahrausweis nicht gelöst gehabt 😶 Das Gespräch verlief sehr fröhlich und offen und so interessierte sich schlussendlich niemand für die Papiere und Valérie hat lediglich einen Schweissausbruch davongetragen 😅
In Anuradhapura angekommen, haben wir uns einquartiert und überlegt, was wir am nächsten Tag besichtigen wollten. Die Stadt war über 1000 Jahre lang das Zentrum für mehrere Königsdynastien. Sie wurde dann durch die verschiedenen Erober geplündert und zerstört und so gibt es eine neue und eine alte Stadt. In der alten gibt es viele Ruinen, vieles liegt noch unter der Erde begraben.

Das Wetter erwies sich zuerst als gut gesinnt und wir machten uns auf den Weg zum Eingangsbereich auf (mittlerweilen ist ein grosser Teil der alten Stadt UNESCO Weltkulturerbe und darum muss Eintritt bezahlt werden). Wir überlegten uns einen Führer zu nehmen und Charith hatte wohl den gleichen Gedanken aus der anderen Perspektive und steuerte direkt auf uns zu. Sein Humor passte und obwohl wir abgemacht hatten, nach dem Kauf des Tickets zuerst das Museum zu betrachten und ihn danach nochmals zu treffen, war er dann bereits im Museum und begann uns alles zu erklären.

Jethawana Dagoba - von 273-301 n.Chr. gebaut und mit 122m Höhe ursprünglich nach den grossen Pyramiden das höchste Bauwerk, heute ist die Stupa noch 71m hoch. Mit 233'000 m2 ist sie aber immer noch das flächenmässig grösste Bauwerk aus Ziegelsteinen.

Eine Stupa ist ein buddhistisches Bauwerk und eine religiöse Stätte - oft werden die Asche von hervorragenden Mönchen darin eingeschlossen (oder Überresten von Buddha)


Charith an einem der Pools am erzählen

An der längsten Fassstrasse (im Bild) wurden jeweils die Currys ausgegeben. Das Essen wurde auf Platten über dem zu sehenden Hohlraum präsentiert, darunter war etwas (Kohle oder heisses Wasser?) um das Essen warm zu halten. Ein Curry sollte übrigens spätestens 25min nach dem Zubereiten verzehrt werden, sonst verliert es die medizinischen Eigenschaften.

Die Maha Thupa, auch bekannt als Ruvanvelisaya Dagoba. Hier werden am meisten Überresten von Buddha weltweit aufbewahrt. Stupas sind religiöse Stätten und besitzen zuoberst immer einen Diamanten, welcher die weisse (gute) Energie am Ort verdreifacht. Der Diamant hier war durch einen Blitz zerstört worden und ein Ersatz wurde teuer von Svarovski eingekauft (die Diamanten können gut 50cm hoch sein).

Die Dame kam im traditionellen Kandy-Stil, um beim heiligen Feigenbaum Sri Mahabodhi (der älteste, von Menschen gepflanzte Baum mit einem Alter von ca. 2'300 Jahren) ihren Wunsch zu platzieren. Der Herr daneben ist sowas wie ihr Schamane (also der ganz links)



In untenstehendem Video erzählt Charith seinen vollen Namen. Wenn ich mich richtig erinnere besteht er aus 52 Buchstaben und erzählt die Namen seiner Eltern, wo sie herkommen und was sie beruflich tätig waren. Er bestätigte übrigens, dass auf offiziellen Formularen nie genügend Platz zum Schreiben seines vollen Namens sei... 😄


Ob ein Moment schön ist oder nicht, realisiert man erst im Rückblick - darum soll man auch bewusst das Hier und Jetzt erleben. Wir haben die Führung mit Charith mehr als genossen - es war ein inspirierender Moment. Was er uns in den nächsten 5 Stunden alles über die Geschichte des Orts und den Buddhismus im Allgemeinen erklärte, würde den Blog hier sprengen. Immer wieder nahm er seinen Notizblock hervor und fügte an den bestehenden Zeichungen was an und erklärte es uns. Absolut faszinierend und hier einfach ein paar Ausschnitte:
  • es leben immer noch Leute auf dem Ausgrabungsgebiet. Falls die UNESCO in einem neuen Bereich graben will, müssen sie umsiedeln. Aktuell dürfen sie in ihren Gärten ohne Bewilligung nicht mal ein Loch graben, lol. Grosser Vorteil ist aber, dass es nun wenigstens Geld gab um überhaupt die alte Stadt teils auszugraben und die reichhaltige Geschichte auferstehen zu lassen
  • die Sri-Lanker hatten früher ein gutes Leben dort - oft besser als heute! Der ganze Bau ist extrem durchdacht, z.B.
    • wurde das Fluss-/Regenwasser in drei grossen Reservoirs gespeichert und von dort in Pools eingeleitet, um danach noch für die Landwirtschaft gebraucht zu werden
    • Toiletten existierten und der Urin wurde durch drei untereinander gestapelte Lehmkrüge gefiltert und gereinigt: Aktivkohle, Sand und dann Kalk. Nach einem Monat wurden die Filter getauscht und die alten mit Erde vermischt und als Düngemittel benutzt
    • es gab 68 verschiedene Studienbereiche - jeder hatte seine eigene komplette Infrastruktur. Die Studiengänge waren nur für sogenannte "wisdom seeker" zugänglich, also Leute, welche sich wirklich für ein Spezialgebiet interessieren und was lernen möchten. Diese Denkweise würde ich auch bei uns begrüssen, wo nur allzu oft ohne diese brennende Leidenschaft eine Tertiärausbildung gemacht wird. 
  • In Gedanken kann man sich zwar in die Vergangenheit oder die Zukunft begeben, aber weder damit noch mit Handlungen ebendiese ändern. Daher solle man sich auf das Hier und Jetzt fokussieren
  • Im Buddishmus zählt etwas nur dann aufs Karma ein, wenn es bewusst ausgeführt wird (also mit Absicht). Diese Impulse können mit dem Geist (Gedanken), dem Mund (Rede) oder dem Körper (Handlungen) erfolgen.

Am Abend trafen wir einen Feuerwehrkollegen aus der Schweiz, Jorge. Er war früher schon mal in Sri Lanka und hat diesmal sein Gravelbike rübergeflogen, um das Land nun mittels Muskelkraft zu entdecken - Chapeau...!


Jorge mit uns in Anuradhapura

 

Am letzten Tag in Anuradhapura haben wir uns zusammen mit Jorge auf den Weg nach Mihintale gemacht. Auf dem Berg wurde um ca. 250 v.Chr. der Buddhismus in Sri Lanka geboren und die Stätte ist jetzt ein schöner Pilgerort.

Aussicht vom Berg


Die Stupa und Buddha-Statue vom Aussichtspunkt aus gesehen

Der Aussichtspunkt selbst - die Treppenstufen dort hoch sind kaum noch existent. Ein bisschen Glaube hilft daher zum hochkommen 😉



Abschluss

Nach Arunadhapura sind wir direkt nach Negombo gefahren und haben unser Tuk Tuk abgegeben. Es war eine geniale Möglichkeit, Sri Lanka so zu erleben und die Firma tuktukrental.com können wir wärmstens empfehlen! Meldet euch direkt bei uns wenn ihr Fragen dazu habt.

Am letzten Tag habe ich es doch auch noch zu einem Gespräch mit der Polizei geschafft, indem ich mit dem Tuk Tuk einen zu langsam fahrenden LKW (und den davor fahrendem Tuk Tuk und zwei Autos) überholt habe. Obwohl das Überholmanöver sozusagen einwandfrei umgesetzt wurde, haben die beobachtenden Polizisten mich direkt rausgewunken 😇 Die Papiere passten und mangels Geschwindigkeitsmessung blieb ihnen nichts anderes übrig als mich zu ermahnen. Als der eine Polizist mir aber dann erzählte, dass man nur 1 Fahrzeug aufs Mal überholen darf und nicht deren 4 musste der zweite Polizist sich selber das Lachen verklemmen...

Was haben wir in Sri Lanka erlebt?
  • Einblick in Ayurveda
  • Geschichtlich eindrucksvolle Ruinen
  • Einblick in die Religionen (Hinduismus und Buddhismus)
  • Geschichte zum Tee
Was haben wir nicht geschafft?
  • Die Zimtbäume haben wir nicht gesehen, es hat uns zuwenig weit in den Süden gezogen
  • Eine Kochklasse zu besuchen

Die Feuchtigkeit kann durchaus mühsam sein - besonders, wenn sie sich in den Zimmern mal festgesetzt hat. Der Geruch geht schnell in die Kleider und wir sind froh haben wir das Problem in der Schweiz so nicht. Daneben hat uns das Land mit seiner tollen Natur, den aufgestellten Menschen und dem leckeren Essen sehr gefallen!

@Mario: schlussendlich verlief sogar der Rückflug mit Air India sozusagen schmerzfrei. Wir werden sie aber trotzdem nicht mehr wählen in Zukunft 😁

Nun sind wir für die Festtage zurück in der Schweiz und werden im neuen Jahr wohl als erstes unsere Freunde in Dänemark/Schweden besuchen gehen.

Subha Ratriyak (Gute Nacht)

Sri Lanka Teil 2 🇱🇰

Sri-lankisches Kopfschütteln

Was uns auch nach zwei Wochen immer noch auffällt und zum Schmunzeln anregt, ist das sri-lankische Kopfschütteln. Stell dir vor, du sprichst mit jemandem und die wackeln fast die ganze Zeit mit dem Kopf. Das scheint in Sri Lanka (und auch in Indien) bekannt zu sein.

Als Einstimmung zu diesem Bericht daher ein Erklärungsvideo und der Song Maate Vinadhuga (schaue z.B. bei 1:30 min bzw. 1:51 min). Der Song scheint hier sehr bekannt zu sein, zumindest konnten in einem Studentenkaffee alle mitsingen.

So sah es übrigens im Kaffee aus - passenderweise hiess es "Zen" (wohl um an einer äusserst belebten Kreuzung Ruhe auszustrahlen?) 😄



Aber nun der Reihe nach.


Lipton Tee

Die bei uns bekannte Getränkemarke ist nach Sir Thomas Johnstone Lipton benannt, welcher 1890 nach Ceylon (das heutige Sri Lanka) segelte um dort Tee anzupflanzen und dann nach England zu verschiffen. Das war näher und somit günstiger als wie bisher den Tee aus China zu beziehen. Nachdem die Kaffeeproduktion herbe Verluste erfahren hatte, sind ihm die Sri Lanker grundsätzlich dankbar - denn so gab es wieder Arbeit und Lohn.

In Sri Lanka gibt es 6 Regionen, wo das Klima ideal ist und Tee angepflanzt wird - alle im Hochland und jede bringt ihre eigene Spezialität mit. In der Uva Region (um Ella) ist der Tee sehr intensiv im Aroma und wird daher für viele Mischungen verwendet. 

Wir haben uns also zum Entstehungsort von Lipton Tee aufgemacht und unserem Tuk Tuk die 1.5 stündige Fahrt zum Lipton's Seat auf 1'970 müM zugemutet. Das ist der Aussichtspunkt wo Sir Lipton oft gesessen und seine Güter überblickt hat. Um den zu erreichen geht es kurvig und holprig mitten durch das Dambatenne Gut (eine der ältesten und bekanntesten Teeplantagen in Sri Lanka) und diverse Dörfer. Der Weg und die Aussichten sind bereits ein Spektakel für sich. Zum Glück, denn oben angekommen haben wir von der 360° Rundsicht nur ca. deren 100° gesehen. Anscheinend hätte es früher am Tag die bessere Sicht, schade - dafür waren wir ausgeschlafen und es war auch so ein wunderschönes Erlebnis!

Ich musste und muss immer wieder an die Aussage von Domenica (Hoi 😉) denken, wie es für die Engländer dazumals gewesen sein muss, von ihrer eher regnerischen und grauen Insel auf diese Insel mit soviel sattem Grün zu kommen?


Legen sich die Abgase vom ÖV (roter Bus) auf den Teeblättern nieder? Denn den Abgastest bei uns hätte der ganz sicher nicht bestanden! Immerhin passt er farblich hervorragend in die grüne Umgebung 😉

Teepflanzen soweit das Auge reicht

Auf dem Bild finden sich Grüntee, Schwarztee, Silver und Golden Tips (die kleinen Spitzen rechts unten im Bild und mit Abstand der teuerste Tee) und Teeblüten 

Valérie mit einer Teepflückerin - noch heute wird das Pflücken manuell gemacht, weil die Maschinen nicht an die Erfahrung und Qualität der Teepflückerinnen herankommen

Die Strasse hoch zum Lipton's Seat - umgeben von unwirklich wirkendem, satten Grün

Sir Lipton und meine Wenigkeit geniessen zusammen die Ruhe und den Nebel

Eine Fabrikführung beim Dambatenne Estate haben wir uns erspart. In den Rezensionen konnte man gemischtes über die Behandlung der Arbeiter:innen und den Rundgang lesen und wer unseren Blog von Südafrika her kennt weiss, dass wir dort eine einmalige Rundführung durch den Tee-Herstellungsprozess geniessen durften - wer will kann es hier nachlesen.




Panoramabild (im Hintergrund liegt Haputale) - öffnen und reinzoomen, um die Siedlung und Gärten zu sehen



Kleiner Nebensatz zu Sir Lipton: er segelte auch gerne, aber eher glücklos an Wettkämpfen und darum haben sie schlussendlich für ihn einen Pokal für den "besten aller Verlierer" gemacht. Viel besser als Fussball-Friedenspreise, nicht? 😉


Von Ella nach Kandy

Die Bergregion hat es uns angetan und auch die Temperaturen waren angenehmer (Valérie würde jetzt wohl sagen kühl 😄). Von Einheimischen erhielten wir gegenseitige Aussagen zum Zustand in Kandy aber nachdem uns von Tanja bestätigt worden war, dass in Kandy das Leben normal verläuft und einfach die Fahrt über Umwege führt, haben wir uns für den Abstecher entschieden. Schliesslich ist es die ehemalige königliche Haupstadt, welche seinerzeit weder von den Portugiesen noch den Niederländern eingenommen worden war! Der König war dafür isoliert und hatte nichts von den Einnahmen mit dem Handel von Tee und Zimt an der Küste.

Wie der frühe Vogel haben wir gefrühstückt (also um 8 Uhr 😊), um dem Regen auszuweichen. Bereits beim wach werden wurde uns bewusst, dass der Plan so nicht aufgehen wird.... Es regnete heftig, so richtig Platsch Platsch (ohne Plitsch dazwischen) 😰 Beim Tuk Tuk hat es Regenplanen welche links und rechts befestigt werden können, aber um etwas im Rückspiegel sehen zu können, darf der oberste Teil nicht befestigt werden. So tropft es in jeder Kurve schön auf die Hosen/Armen und das kombiniert mit schlechter Sicht für 6h war nicht gerade der Spass, welcher wir uns erhofft haben.

Zum Glück besserte es kurz nach der Abfahrt. Noch besser wurde es, weil ein grosser Strassenabschnitt just an dem Tag wieder freigegeben worden war! Die Schäden in der Region waren aber überall zu sehen und als ich einmal auf eine Nebenstrasse auswich, wurde uns sofort vor Augen geführt, wie heftig es die Bevölkerung teils wirklich getroffen hat. Davon haben wir keine Aufnahme gemacht, aber hier der Link zu einem kleinen Zusammenschnitt von den Schäden auf der Strasse. 

Unsere Gummistiefel haben wir bei einem Sammelpunkt den dortigen Helfern überlassen - ich wurde nach der Grösse gefragt und sie wurden direkt zwei Personen abgegeben. Ob meine Stiefel mit Grösse 47 wirklich dienen konnten weiss ich nicht; besser als barfuss oder Sandalen sollten sie aber trotzdem sein. Auch unsere Regenhauben haben wir später abgegeben (wir wandern zuwenig im Regen; also eigentlich gar nicht) und die Leute haben diese mit einem Strahlen angenommen.

Kurz darauf kamen wir in Kandy an. Wie wir später lernen sollten, hiess Kandy usprünglich Katubulu Nuwara. Weil dies für die Kolonialmacht England aber zu schwierig auszusprechen war, haben sie es kurzerhand in Kandy umbenannt. Ebenso erging es den verschiedenen Gütern, welche durch die schottischen Herren in für sie aussprechbare Namen umbenannt worden waren. Es gibt sogar eine Wikipedia Seite dazu 😄

Einer von vielen Erdrutschen unterwegs

Zwischen dem Glasgow und Edinburgh Estate




Entstehung eines Staudamms - ein bisschen ausser Kontext, man betrachte dafür die Gerüste



Sri Dalada Maligawa - Temple of the Sacred Tooth Relic

Direkt am See in Kandy, gibt es diesen für Buddhisten wichtigen Tempel, welcher zugleich auch UNESCO Weltkulturerbe ist. Eine Prinzessin hat damals in ihrem hochgesteckten Haar einen Originalzahn von Gautama Buddha versteckt reingeschmuggelt. Wäre sie erwischt, wäre der Zahn zertrümmert worden und sie wäre wohl auch nicht glimpflich davongekommen.

Den Zahn kann man nicht sehen, wohl aber die Aufbahrungsstätte und Tempelanlage. Als im April 2025 zum letzten Mal der Zahn öffentlich gezeigt worden war, gab es eine Warteschlange von fast 10 Kilometern! Wegen der Hitze und vor Erschöpfung starben dabei vier Personen und über 300 weitere mussten hospitalisiert werden. Danach stoppte die Polizei die Zugverbindung und liess niemanden mehr in die Anlage. Und das alles wegen einem Zahn 😲

Wusstet ihr, dass im Buddhismus das ultimative Ziel das Erreichen des Nirvana ist? Das ist das Stadium wo es der Seele gelingt, sich von allen Wünschen des Körpers zu lösen und damit der Kreislauf des Karma (gutes Verhalten gibt gutes Karma / schlechtes entsprechend schlechtes Karma) unterbricht und dem "Erwachen" Platz macht. Gelingt einem das nicht, wird man nach dem Tod reinkarniert, als Mensch, eine andere Lebensquelle oder auch als Vegetation und muss erneut versuchen, sich von allen Wünschen loszulösen.

Persönlich finde ich es eine spannende Religion und die Gedanken und Aussagen von Dalai Lama genial. Googlet doch mal kurz nach seinen Zitaten oder Lebensweisheiten und bildet euch eine eigene Meinung. Ich glaube, dass sich jeder darin wiederfinden kann und so wie die Tools in Linux sehr ausgereift und überlegt sind, so hat es sich auch mit den Weisheiten vom Dalai Lama 😃

Im Tempel

Lotusblüten werden gerne gespendet. Darüber die Flagge vom Buddhismus (1950 in Colombo, Sri Lanka erschaffen) wo jede Farbe ihre eigene Bedeutung hat.

Ein Gedenkort in der Tempelanlage


Ceylon Tee Museum

Wir haben dem Tee Museum in der Nähe von Kandy auch einen Besuch abgestattet. Die freundliche Dame an der Kasse hat sich dann gleich anerboten, uns etwas zu den Gegenständen zu erzählen.

Nun wissen wir, dass BOPF der intensive Schwarztee und FBOPF ex Sp. ein leicht süssliche Variante davon ist (durch das Zufügen von Golden und Silver Tips). Hier oder in den Bildern finden sich die vollen Bezeichnungen (unmöglich zu merken nach einmal hören) und mehr Details.

Originale Maschinen

Erklärung der verschiedenen Teearten

In der untersten Reihe das Edukt, in der Mitte der daraus resultierende Tee und zuoberst wie das Edukt nach dem Ziehen aussieht

Je heller die Farbe umso milder wird der Tee, dann ist es Grüntee und zuletzt die ominösen Silver und Golden Tips


Eine Verkostung ist immer spannend, besonders wenn man sich mit geschlossenem Auge einen Tee geben lässt. Erinnerte mich ein bisschen an das Sensorikpanel aus der Nestlé und wie damals halfen auch hier zusätzlich zum Geschmackssinn, sofort der Geruchssinn und der Tastsinn (wie ist die Tasse geformt) mit. Es kam trotzdem nicht zu einer 100% Trefferquote, da ist wohl jemand aus der Übung 😫

Sammelsurium aus Kandy

Mit der Touristenpolizei über ihre Honda gefachsimpelt (das rote Motorrad ist ein offizielles Polizei-Motorrad)


Am Kandy Lake gesehen und bei uns nicht bekannt: der Fledermausbaum!

Die niedlichen Tiere hängen es tagsüber, nur um am Abend dann auf die Jagt zu gehen

Wer findet Schildkröte, Waran und alle Vögel?

Wofür wird die Foto wohl mal gebraucht?

Zitronenbananen (leicht säuerlich und sehr erfrischend)

Das grüne ist die Kochbanane und die andere - Achtung - die rote Banane. Wow 😂 Letztere ist süsslicher, weicher und schmeckt bananiger (ihr wisst was ich meine). Dann gibt es noch die Süssbananen, die Kinderbananen und und.... Erkennen könne man die Bananen an der Farbe, Grösse, Muster und der Schale.

Ein typischer Stand auf dem Fruchtmarkt

Bananenblüte - aus den kleinen Dingern werden später mal Bananen

Ein Breiapfel aka Sapodilla (sie nennen sie auch Käsefrucht wegen der Konsistenz). Schmeckt wie eine eingedickte Kaki

Vanilleschoten werden unreif geerntet und dann bis zu 9 Monate gelagert für die Reifung/Trocknung


Zwischenstadium der Trocknung

Fertig und bereit für den Verkauf


Der Gewürzhändler kennt sein Metier blind. Es war richtig spannend ihm zuzuhören und ihn auszufragen

Der übliche Verkehr, was auf dem Bild fehlt sind Velos und Scooter/Motorräder 😄

Unsere freundliche Gastgeberfamilie in Kandy, Ajith mit Frau und Schwiegertochter

Der in Sri Lanka endemische Ceylon-Hutaffe (Toque macaque). Der Name rührt von der auffälligen Haarkrone her. Ganz ruhige und süsse Äffchen sind das!

Berührungsängste kennen sie nicht. Wenn du Essen hast, kommen sie auch gerne (sehr gerne) an den Tisch und bedienen sich (nicht uns passiert, ich hätte ihn wohl affisch angebrüllt 😁). Als ich mich erkundigte, was die Einheimischen machen um die Affen zu verscheuchen (mit der Hand muss man aufpassen wegen dem Beissen) verschwand er kurzum und kam mit einer Steinschleuder zurück. Es reiche, wenn man diese hochebe und spanne, auch ohne Wurfgeschoss...


Sigiriya im Urwald

Da Sigiriya wirklich mitten im Urwald liegt, ist es auch feucht. Sehr feucht... So feucht, dass auch die Kleider im Rucksack dies annehmen. Das ist unangenehm und wir kennen kein Rezept dagegen ausser einmal mehr lautet die Devise welche wir uns vor jeder Reise sagen: weniger Kleider mitnehmen und häufiger waschen (irgendwann schaffen wirs)!💡

Wir waren zwei Tage dort und besuchten den Felsen - den sogenannten Lion's Rock, welcher um 473 n. Chr. von einem König besiedelt worden war. Der Weg nach oben ist heute mit ca. 1'200 Treppentritten machbar (und 15 Schweisstropfen), seinerzeit waren die Tritte lediglich in den Felsen gehauen, genauso wie das "Geländer". Irgendwie sind wir froh, müssen wir nicht wie die Leute damals hoch...

Die Festung ist heute auch UNESCO Weltkulturerbe und trotz 35 USD Eintritt (nur für Ausländer, Einheimische zahlen 0.4 USD), ist es einen Besuch mehr als wert. Die Aussicht ist grandios und die Farben eindrücklich 😍 Und ja - bei dieser Preisdifferenz fühle ich mich diskriminiert, auch wenn ich ihnen das Geld für den Unterhalt gerne gebe.


Lion's Rock

Die Treppe für Touristen. Links die Stufen, welche sie früher hatten und ja, der Boden beginnt nicht gleich unterhalb des Bildausschnittes...

Der Gesichtsausdruck war wohl der Hitze und Höhe geschuldet 😂

Ein minimer Teil der Festung auf dem Felsen welche zuletzt im 14. Jahrhundert von buddhistischen Mönchen benutzt worden war

Ein schöner Ort führt zu glücklichen Gesichtern 😊

Die frühere Treppe mit Handlauf - immer noch nein Danke

Am rechten Rand vom See hinten beginnt das Dorf - wenn ihr reinzoomt seht ihr es leicht, aber das meiste ist hinter den Bäumen versteckt


In Sigiriya war es besonders eindrücklich wie ihnen die Touristen fehlen - uns wurde unterwegs bereits öfters gedankt, dass wir trotz dem Unwetter vorbeikamen weil sie schlicht auf unser Geld angewiesen sind. Aber hier liegt Restaurant an Restaurant und in jedem dritten hat es vielleicht 2-4 Touristen oder aber an einem Abend lediglich eine Familie... Wirkt traurig, auch wenn es wohl schon einfach ein Überangebot ist und sich regeln muss 😞

Preise in Sri Lanka

Was kostest das Leben in Sri Lanka eigentlich?

  • eine Übernachtung kostet uns aktuell im Schnitt 20 CHF
  • ein Abendessen für zwei Personen 10-15 CHF
  • eine Tankfüllung fürs Tuk Tuk (6L auf 100km) schlappe 4 CHF
  • eine Banane 2.5 Rappen (aber so wenig wissen sie gar nicht wie abzuschneiden)
  • ein Masala Chai zwischen 10 Rappen und 1 CHF 
So betrachtet entspricht der Eintrittspreis auf den Lion's Rock zwei Übernachtungen und einem Essen und jetzt schweige ich dazu 🙊


Verschiedene Impressionen

Sollte es mal eine Delle im Auto geben, kann man sich praktischerweise einfach eine neue Front aussuchen 😄

Reisfelder sind noch weiter verbreitet als Teeplantagen

Kandalama Reservoir Bridge - die breiteren Fahrzeuge müssen den Wasserstrom queeren. Nicht allen behagt das - ein Kleinbus hat sich daher auch auf der sehr schmalen, linken Strasse durchgemogelt


Dieses Bild zeigt viel 😄 Eine Schwimmerin betrachtet Valérie und ihr Mann betrachtet mich beim fotografieren. Links zwei Jungs welche alles beobachten. Rechts zwei Jungs welche sich gleich unter der Brücke verstecken um zu rauchen und darüber der Kleinbus, welcher alle aufhält...

Meine Foto von der Brücke

Hinter dieser Fassade verbirgt sich ein super leckeres Restaurant inmitten von Reisfeldern

Im Urwald haben wir uns eine ayurvedische Öl-/Dampfmassage gegönnt - ein spezielles Erlebnis!

😍

Der Elefantenpass hat nichts mit einem Pass zu tun! Habe mich noch gefragt, wann wir den Berg queren, bis ich nachgelesen und bemerkt habe, dass die Lagunen früher (vor der Strasse) mit Elefanten durchquert wurden und der Name davon kommt 🙈 Der "Pass" war im Bürgerkrieg von 1983-2009 zwischen den Tamil Tigers (LTTE) und der sri-lankischen Armee sehr umkämpft




Ausklang

Nun sind wir in Jaffna, aber mehr dazu beim nächsten Beitrag. Zwei Fun-Facts aber noch:
  • Wetter Apps sind hier kaum brauchbar! Aber wenn es regnet, dann regnet's und ansonsten halt nicht, das haben wir nun gelernt 😁
  • Es gibt keine verlässlichen Zahlen, aber ein Artikel der New York Times sagt aus, dass die Wahrscheinlichkeit geringer ist, von einem Hai getötet zu werden, als das Lebensende durch eine fallende Kokosnuss herbeizuläuten. Valérie hat das nachgelesen, weil einmal eine auf ein Wellblechdach gefallen ist und wir darunter zusammenzuckten. Und ich musste mich spontan an den Herrn in der dominikanischen Republik erinnern, welcher sich neben unser Auto gelegt hatte und meinte er passe auf, dass keine Kokosnuss einen Schaden zufügt. Wäre eine gefallen, hätte er sich wohl einfach entfernt, so wollte er danach Geld 😂