Im Norden - Jaffna
Wie im letzten Post angetönt, sind wir mittlerweilen in Jaffna angelangt. Im Norden sind die Tamilen vorherrschend. Das ist ein Volk, welches vor allem in Südindien und im Norden von Sri Lanka beheimatet ist. Tamilen sind meistens hinduistisch, während die sonst in Sri Lanka vorherrschende Merhheit der Singhalesen eher buddhistisch sind.
Merkt man den Unterschied? Wir meinen ja:
- das Essen war spürbar indischer angehaucht
- die Tamilen wirkten auf uns reservierter - auch sie lächeln, aber erst nach einer Musterungssekunde
- teils konnten wir weder Bier noch Tee bestellen - das erste ist ja noch nachvollziehbar, aber Tee? 😐
Die Tamilen haben anscheinend trotz des Bürgerkriegs von 1983-2009 noch immer nicht die gleichen Rechte wie die Singhalesen aber umgekehrt haben es die Singhalesen nicht einfach, sich im tamilischen Norden niederzulassen. Auch wenn der Unterschied nicht dramatisch ist. Er ist spürbarer als wir erwartet haben.
Am ersten Tag durchlebte Valérie noch die Folgen einer Lebensmittelvergiftung und wen wundert's - auch sie fand es nicht toll... Das gab mir hingegen die Möglichkeit, in der Nähe ein Kaffee aufzusuchen, welches dem Namen alle Ehre machte: Nuss-Macchiato, Caramel-Cappucino, Espresso - ich habe mich durchgetestet und dort Fotos bearbeitet. Als wir am darauffolgenden Abend nochmals vorbeigingen und sie schon geschlossen hatten, haben sie extra nochmals geöffnet und den Abendputz verschoben - schön wenngleich auch ein bisschen unangenehm. Sie bestanden aber darauf und wir genossen daher noch einen letzten Kaffee/Tee dort 🙈
Am nächsten Tag haben wir die Festung am Meer besucht (Jaffna Fort) und sind mit dem Tuk Tuk über die angrenzenden Inseln gefahren. Während zuerst ganz viele Lernfahrer aus Jaffna mit uns die Strasse teilten, so war der Weg danach geprägt von toller Natur und vereinzelten Wohnsiedlungen um dann mittels einer Fähre von Kayts nach Jetty zu führen und am Schluss in der Agglomeration, die Armut gnadenlos zu offenbaren.
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| Jeweils am Morgen regnete es kurz und heftig |
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| Jaffna Fort mit den nicht so motivierten Grassschneidern. Wem kann man's verübeln? Sie haben eine ca. 15cm lange Klinge unten am Metallstab und müssen das "Messer" von Hand schwingen - da kommt man ja nicht vorwärts 😁 |
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| Sieht das nicht schön aus? Da hat jemand geshoppt und die Ladungssicherung ist erste Güte. Kurz darauf wurden sie von der Polizei angehalten - wir haben ihnen fest die Daumen gedrückt, denn so ein bisschen Gepäck darf in Sri Lanka unmöglich ein Problem darstellen! |
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| Einer der unzähligen Lernfahrerbusse. Sie fahren 100m, dann wird angehalten, besprochen und Lernfahrer gewechselt |
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| Auf der kostenlosen Fähre welche uns 150 Rupien kostete (aber bitte nicht direkt vor den Augen der Polizisten zu bezahlen sind!) 😂 |
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| Wenn es fährt kann es nur sicher sein! Immerhin wurden wir gegen die Strömung mit einem Stahlseil gesichert (rechts im Bild / der Schiffsmotor wäre zuwenig kräftig dagegen anzukommen). Nach dem Zufallsprinzip wurden auch Schwimmwesten verteilt: ich erhielt eine, Valérie nicht. Vielleicht weil sie sitzengeblieben war? |
In Jaffna haben wir auch einen hinduistischen Tempel (Nallur Kandaswamy Temple) besucht, das war schon lange auf meiner Wunschliste! Die Tempels sind jeweils herrlich üppig bemalt und verziert - das Auge entdeckt immer was Neues. Von aussen durften wir ihn fotografieren, von drinnen dann nicht mehr. Dass die Schuhe ausgezogen werden müssen, waren wir uns bereits von den buddhistischen Tempeln gewöhnt. Dass ich als Mann das Oberteil ausziehen musste, war dann doch eher ungewohnt und ich eine Art Farbtupfer 😀Wir kamen um ca. 17 Uhr an, was absolut ideal ist. Denn dann und um 18 Uhr gibt es je eine Zeremonie: da wird musiziert, etwas gewandert, wieder musiziert und zurückgewandert. Dann folgt man einer brennenden Öllampe (bzw. den Priestern oder wie man die nennt) welche alles mögliche und jede noch so versteckte Statue ehren (viele sind in kleinen Häusern hinter einem Vorhang, welcher geöffnet und wohl um 18 Uhr wieder geschlossen wird). Zuletzt werden Blumen verstreut und ein Metallhuhn geehrt, bevor man sich auf den Boden legte und ruderte. Ende der Zeremonie 😄 Verzeiht meine amateurhafte Beschreibung aber kurz zusammengefasst: es war sehr eindrücklich und wir empfehlen den Besuch effektiv unbedingt!
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| Der Eingang zum Nallur Kandaswamy Tempel |
Verschiedene Bilder aus Jaffna
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| Die Mücken sind hungriger hier als sonstwo; wir haben den Mückenspray flugs wieder hervorgenommen (und uns an den Besuch bei dir, Fred, erinnert) 😂 |
Anuradhapura
Die Stadt, deren Namen man immer gerne wieder vergisst!
Auf dem Weg dorthin sollten wir zweimal von der Polizei angehalten werden:
- noch in Jaffna überholte ich einen LKW, als Valérie meinte, dass mich der Polizist rechts habe anhalten wollen. Ich habe den aber ignoriert, da ich bei einer doppelten Sicherheitslinie überholt habe... Das würde im Normalfall niemanden interessieren, aber ich denke, just hier hätte es ihn interessiert 😁 Das Ignorieren sollte sich bewähren, wir wurden nicht verfolgt
- auf der A9 haben wir dann einen Sri-Lanker getroffen, welcher ein defektes Motorrad hatte und noch so gerne mit uns mitreiste (so konnte er seine Frau und Baby doch noch sehen). Mit ihm zusammen wurden wir an einer Sperre von der Polizei angehalten. Diesmal war Valérie gefahren und das war ein bisschen blöde, denn für sie haben wir den sri-lankischen Fahrausweis nicht gelöst gehabt 😶 Das Gespräch verlief sehr fröhlich und offen und so interessierte sich schlussendlich niemand für die Papiere und Valérie hat lediglich einen Schweissausbruch davongetragen 😅
In Anuradhapura angekommen, haben wir uns einquartiert und überlegt, was wir am nächsten Tag besichtigen wollten. Die Stadt war über 1000 Jahre lang das Zentrum für mehrere Königsdynastien. Sie wurde dann durch die verschiedenen Erober geplündert und zerstört und so gibt es eine neue und eine alte Stadt. In der alten gibt es viele Ruinen, vieles liegt noch unter der Erde begraben.
Das Wetter erwies sich zuerst als gut gesinnt und wir machten uns auf den Weg zum Eingangsbereich auf (mittlerweilen ist ein grosser Teil der alten Stadt UNESCO Weltkulturerbe und darum muss Eintritt bezahlt werden). Wir überlegten uns einen Führer zu nehmen und Charith hatte wohl den gleichen Gedanken aus der anderen Perspektive und steuerte direkt auf uns zu. Sein Humor passte und obwohl wir abgemacht hatten, nach dem Kauf des Tickets zuerst das Museum zu betrachten und ihn danach nochmals zu treffen, war er dann bereits im Museum und begann uns alles zu erklären.
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| Jethawana Dagoba - von 273-301 n.Chr. gebaut und mit 122m Höhe ursprünglich nach den grossen Pyramiden das höchste Bauwerk, heute ist die Stupa noch 71m hoch. Mit 233'000 m2 ist sie aber immer noch das flächenmässig grösste Bauwerk aus Ziegelsteinen. |
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| Eine Stupa ist ein buddhistisches Bauwerk und eine religiöse Stätte - oft werden die Asche von hervorragenden Mönchen darin eingeschlossen (oder Überresten von Buddha) |
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| Charith an einem der Pools am erzählen |
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| An der längsten Fassstrasse (im Bild) wurden jeweils die Currys ausgegeben. Das Essen wurde auf Platten über dem zu sehenden Hohlraum präsentiert, darunter war etwas (Kohle oder heisses Wasser?) um das Essen warm zu halten. Ein Curry sollte übrigens spätestens 25min nach dem Zubereiten verzehrt werden, sonst verliert es die medizinischen Eigenschaften. |
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| Die Maha Thupa, auch bekannt als Ruvanvelisaya Dagoba. Hier werden am meisten Überresten von Buddha weltweit aufbewahrt. Stupas sind religiöse Stätten und besitzen zuoberst immer einen Diamanten, welcher die weisse (gute) Energie am Ort verdreifacht. Der Diamant hier war durch einen Blitz zerstört worden und ein Ersatz wurde teuer von Svarovski eingekauft (die Diamanten können gut 50cm hoch sein). |
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| Die Dame kam im traditionellen Kandy-Stil, um beim heiligen Feigenbaum Sri Mahabodhi (der älteste, von Menschen gepflanzte Baum mit einem Alter von ca. 2'300 Jahren) ihren Wunsch zu platzieren. Der Herr daneben ist sowas wie ihr Schamane (also der ganz links) |
In untenstehendem Video erzählt Charith seinen vollen Namen. Wenn ich mich richtig erinnere besteht er aus 52 Buchstaben und erzählt die Namen seiner Eltern, wo sie herkommen und was sie beruflich tätig waren. Er bestätigte übrigens, dass auf offiziellen Formularen nie genügend Platz zum Schreiben seines vollen Namens sei... 😄
Ob ein Moment schön ist oder nicht, realisiert man erst im Rückblick - darum soll man auch bewusst das Hier und Jetzt erleben. Wir haben die Führung mit Charith mehr als genossen - es war ein inspirierender Moment. Was er uns in den nächsten 5 Stunden alles über die Geschichte des Orts und den Buddhismus im Allgemeinen erklärte, würde den Blog hier sprengen. Immer wieder nahm er seinen Notizblock hervor und fügte an den bestehenden Zeichungen was an und erklärte es uns. Absolut faszinierend und hier einfach ein paar Ausschnitte:
- es leben immer noch Leute auf dem Ausgrabungsgebiet. Falls die UNESCO in einem neuen Bereich graben will, müssen sie umsiedeln. Aktuell dürfen sie in ihren Gärten ohne Bewilligung nicht mal ein Loch graben, lol. Grosser Vorteil ist aber, dass es nun wenigstens Geld gab um überhaupt die alte Stadt teils auszugraben und die reichhaltige Geschichte auferstehen zu lassen
- die Sri-Lanker hatten früher ein gutes Leben dort - oft besser als heute! Der ganze Bau ist extrem durchdacht, z.B.
- wurde das Fluss-/Regenwasser in drei grossen Reservoirs gespeichert und von dort in Pools eingeleitet, um danach noch für die Landwirtschaft gebraucht zu werden
- Toiletten existierten und der Urin wurde durch drei untereinander gestapelte Lehmkrüge gefiltert und gereinigt: Aktivkohle, Sand und dann Kalk. Nach einem Monat wurden die Filter getauscht und die alten mit Erde vermischt und als Düngemittel benutzt
- es gab 68 verschiedene Studienbereiche - jeder hatte seine eigene komplette Infrastruktur. Die Studiengänge waren nur für sogenannte "wisdom seeker" zugänglich, also Leute, welche sich wirklich für ein Spezialgebiet interessieren und was lernen möchten. Diese Denkweise würde ich auch bei uns begrüssen, wo nur allzu oft ohne diese brennende Leidenschaft eine Tertiärausbildung gemacht wird.
- In Gedanken kann man sich zwar in die Vergangenheit oder die Zukunft begeben, aber weder damit noch mit Handlungen ebendiese ändern. Daher solle man sich auf das Hier und Jetzt fokussieren
- Im Buddishmus zählt etwas nur dann aufs Karma ein, wenn es bewusst ausgeführt wird (also mit Absicht). Diese Impulse können mit dem Geist (Gedanken), dem Mund (Rede) oder dem Körper (Handlungen) erfolgen.
Am Abend trafen wir einen Feuerwehrkollegen aus der Schweiz, Jorge. Er war früher schon mal in Sri Lanka und hat diesmal sein Gravelbike rübergeflogen, um das Land nun mittels Muskelkraft zu entdecken - Chapeau...!
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| Jorge mit uns in Anuradhapura |
Am letzten Tag in Anuradhapura haben wir uns zusammen mit Jorge auf den Weg nach Mihintale gemacht. Auf dem Berg wurde um ca. 250 v.Chr. der Buddhismus in Sri Lanka geboren und die Stätte ist jetzt ein schöner Pilgerort.
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| Aussicht vom Berg |
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| Die Stupa und Buddha-Statue vom Aussichtspunkt aus gesehen |
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| Der Aussichtspunkt selbst - die Treppenstufen dort hoch sind kaum noch existent. Ein bisschen Glaube hilft daher zum hochkommen 😉 |
Abschluss
Nach Arunadhapura sind wir direkt nach Negombo gefahren und haben unser Tuk Tuk abgegeben. Es war eine geniale Möglichkeit, Sri Lanka so zu erleben und die Firma tuktukrental.com können wir wärmstens empfehlen! Meldet euch direkt bei uns wenn ihr Fragen dazu habt.
Am letzten Tag habe ich es doch auch noch zu einem Gespräch mit der Polizei geschafft, indem ich mit dem Tuk Tuk einen zu langsam fahrenden LKW (und den davor fahrendem Tuk Tuk und zwei Autos) überholt habe. Obwohl das Überholmanöver sozusagen einwandfrei umgesetzt wurde, haben die beobachtenden Polizisten mich direkt rausgewunken 😇 Die Papiere passten und mangels Geschwindigkeitsmessung blieb ihnen nichts anderes übrig als mich zu ermahnen. Als der eine Polizist mir aber dann erzählte, dass man nur 1 Fahrzeug aufs Mal überholen darf und nicht deren 4 musste der zweite Polizist sich selber das Lachen verklemmen...
Was haben wir in Sri Lanka erlebt?
- Einblick in Ayurveda
- Geschichtlich eindrucksvolle Ruinen
- Einblick in die Religionen (Hinduismus und Buddhismus)
- Geschichte zum Tee
Was haben wir nicht geschafft?
- Die Zimtbäume haben wir nicht gesehen, es hat uns zuwenig weit in den Süden gezogen
- Eine Kochklasse zu besuchen
Die Feuchtigkeit kann durchaus mühsam sein - besonders, wenn sie sich in den Zimmern mal festgesetzt hat. Der Geruch geht schnell in die Kleider und wir sind froh haben wir das Problem in der Schweiz so nicht. Daneben hat uns das Land mit seiner tollen Natur, den aufgestellten Menschen und dem leckeren Essen sehr gefallen!
@Mario: schlussendlich verlief sogar der Rückflug mit Air India sozusagen schmerzfrei. Wir werden sie aber trotzdem nicht mehr wählen in Zukunft 😁
Nun sind wir für die Festtage zurück in der Schweiz und werden im neuen Jahr wohl als erstes unsere Freunde in Dänemark/Schweden besuchen gehen.
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Subha Ratriyak (Gute Nacht) |
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